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Ungewöhnlich heißt nicht unrealistisch: Mensch-Maschine-Interaktions-Designerinnen und -designer


Blogartikel “Ungewöhnliche Berufe Nr 5“: Mensch-Maschine-Interaktionsdesigner/-designerin

Spicy extra Impulse für professionelle Berufs- und Karriere-Beraterinnen und -Berater

von Thomas von Krafft, Diplom-Sozialpädagoge und Ausrüster für die professionelle Berufs- und Karriereberatung


Oft sehen wir in den Familien unserer Klientinnen und Klienten noch fast ausschließlich klassische Berufsbilder: Opa Elektriker, Mama Juristin, Papa Programmierer, so oder so ähnlich. Diese Tätigkeiten sind dann bekannt, auch anerkannt, damit fährt man gut, damit verdient man sein Geld.

Ohne es bewusst zu steuern, werden solche Erfahrungen in das eigene Weltbild integriert, und so entstehen häufig neben dem nachvollziehbaren Erwartungsdruck von außen zwei mögliche Reaktionen bei den ratsuchenden jungen Menschen selbst, die sich beobachten lassen: entweder sie übernehmen die Vorstellungen ihres Umfeldes, was zur Folge hat, dass sie sich bei ihrer Orientierung in klassischen Bahnen bewegen und allem anderen gegenüber skeptisch bleiben. Oder sie nehmen eine heftige Gegenposition ein:

  • Eltern arbeiten viel, das will man selber gar nicht, darum eher so wenig wie möglich arbeiten, nur, damit es zum Leben reicht.

  • Eltern versuchen, ihren Arbeitgebern gerecht zu werden, engagieren sich, machen Überstunden, das will man auf keinen Fall, diesen Druck von oben, von extern, wofür?

  • Man glaubt, bei den Eltern viel Routine und sich wiederholende Tätigkeiten zu erkennen. Auch das möchte man keinesfalls.

Beide Positionen, Assimilation und Opposition, können den Weg zu einer wirklich passenden Ausbildung versperren, denn sie haben ihren Bezug nicht in der Persönlichkeit, in konkreten Erfahrungen, oder, noch schlimmer, in den individuellen Talenten.

 

Für professionelle Beraterinnen und Berater ist es deshalb umso wichtiger, den Horizont wieder zu erweitern. Zum Beispiel indem man auch einmal ungewöhnliche, spannende, aber durchaus realistische Perspektiven nennt. Heute geht es um den Beruf „Mensch-Maschine-Interaktionsdesigner/-designerin“.

Wenn Jugendliche (oder manchmal auch gestandene Beraterinnen und Berater) „Mensch-Maschine-Interaktionsdesign“ hören, denken viele zuerst an Science-Fiction: Roboter mit Gefühlen, Cyborgs, sprechende Kühlschränke und Autos, Smart-Homes mit Persönlichkeit. Die Realität ist weniger Netflix, aber mindestens genauso spannend. Denn hier geht es um etwas sehr Bodenständiges: Wie müssen digitale Systeme gestaltet sein, damit Menschen sie sicher und gerne nutzen? Dafür steht der Ansatz des Human-Centred Design. Er ist sogar als Norm formuliert: ISO 9241-210.

 

 

1) Was macht man in diesem Beruf, wie und wo? Ein typisches, realistisches Szenario

 

Am besten baue ich mal einen typischen Fall, wie er bereits vorkommt:

Man stelle sich ein mittelständisches Medizintechnik-Unternehmen vor. Ein neues Gerät soll Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte im Klinikalltag entlasten. Ein Monitor-System, das Vitaldaten von stationären Patientinnen und Patienten überwacht, bündelt und Warnungen ausgibt.

 

Typischer Arbeitstag einer Interaktionsdesignerin / eines Interaktionsdesigners:

  • Morgens ein Termin mit dem Produktteam: Welche Nutzergruppen gibt es genau? Pflegende, Ärztinnen, Ärzte, Medizintechnik? Welche kritischen Situationen können entstehen?

  • Danach Beobachtung und Interviews (vor Ort oder remote): Was passiert wirklich, wenn es hektisch wird? Welche Informationen brauchen Menschen jetzt sofort?

  • Anschließend am Rechner: Abläufe modellieren, Wireframes erstellen, Interaktionslogik festlegen („Wenn Alarm X, dann Anzeige Y, aber nicht mit drei Klicks, sondern mit einem“)

  • Am Nachmittag: Prototyp testen (mit echten Nutzenden): Finden sie die Funktion? Verstehen sie die Warnung? Wo entstehen Fehler?

  • Zum Schluss: Ergebnisse ins Team spiegeln, und zwar so, dass Entwicklung, Qualitätsmanagement und Produktverantwortliche etwas damit anfangen können.

 

Das ist keine Fantasie, sondern klassische Bausteine von UX-/Interaktionsdesign: Bedürfnisse klären, Alternativen entwickeln, Prototypen bauen, Evaluation durchführen.

 

Und ja: Design steht hier nicht für „schön“, sondern entscheidet über Sicherheit, Verständlichkeit und Effizienz. In der Medizintechnik kann ein schlechtes Interface nicht nur Nerven kosten, sondern im schlimmsten Fall Leben.

 

 

2) Arbeitsumgebung und Bedingungen: Team, Unternehmen, Forschung, unterwegs?

 

Am häufigsten arbeiten Interaktionsdesignerinnen und Interaktionsdesigner

  • in Unternehmen, z.B. Softwareentwicklung, Automotive, Medizintechnik, Industrie, Energie, Banken, überall, wo komplexe Systeme bedienbar werden müssen

  • in Agenturen/Produktstudios

  • in Forschung & Entwicklung (HCI-Labs, angewandte Forschung, Innovationsabteilungen).

 

Meist arbeitet man im Team: mit Entwicklerinnen und Entwicklern, Produktmanagerinnen und Produktmanagern, UX-Researcherinnen und UX-Researchern, oft auch mit Marketing oder Support. Das Feld ist interdisziplinär, was sehr reizvoll ist (und manchmal auch der Grund, warum Meetings länger dauern als eine Wagner-Oper).

 

Entscheidender Punkt für viele bei der Berufswahl: Bin ich in dem Beruf viel unterwegs?

Kommt bei „Mensch-Maschine-Interaktionsdesigner/-designerin“ vor. Wenn man Nutzende im Kontext beobachten muss (Werkhalle, Klinik, Cockpit, Tower), ist Vor-Ort-Arbeit sinnvoll. In vielen Projekten geht aber auch viel online/remote, je nach Produkt und Branche.

 

 

3) Ist der Beruf prinzipiell für alle Menschen zugänglich?

 

Prinzipiell ja, praktisch (wie fast immer) mit gewissen Hürden. Der Beruf ist nicht an eine „geschützte“ Berufsbezeichnung gebunden. Entscheidend sind:

  • Kompetenzen: Nutzerorientierung, analytisches Denken, saubere Kommunikation

  • Arbeitsproben/Portfolio (fast wichtiger als der Titel)

  • und oft ein Grundverständnis von Technik und/oder Psychologie

 

Barrieren können sein:

  • Wer sich ungern mit menschlichen Bedürfnissen, ihren Wünschen, ihrer oft sehr unterschiedlichen Kommunikation auseinandersetzt (Rückmeldungen, Kritik, Interviews, Tests, Abstimmungen, Zweifel, Fragen), wird es schwer haben.

  • Wer stark strukturarm arbeitet (Model selbstbestimmter Freelancer), leidet Höllenqualen in Groß-Projekten mit Deadlines, Versionen und Stakeholdern.

  • Wer sich grundsätzlich nicht auf Feedback einlassen kann, wird in iterativen Designprozessen unglücklich. (Man bekommt viel Feedback. Sehr viel!)

  • Für die Beratungspraxis heißt das: Eignung ist nicht nur „Mathe-Genie“ oder „künstlerisch“, sondern eine Kombination aus Empathie, Systemdenken und Pragmatismus.

 

 

4) Realistische Ausbildungswege: Wie kommt man da hin?

 

Es gibt mehrere seriöse Wege, und das ist für Jugendliche und Beratende gleichzeitig Chance und Verwirrung:

 

Studium (häufigster strukturierter Weg)

Spezialisierte Studiengänge / Schwerpunkte in Human-Computer Interaction (HCI) oder verwandten Bereichen. Beispiel: Ein Masterprogramm „Human-Computer Interaction“ (z.B. an der Uni Siegen).

Verwandte Richtungen: Medieninformatik, Informatik, Psychologie (mit HCI/Usability-Schwerpunkt), Industriedesign, Kommunikationsdesign, Interface Design.

 

Praxiswege (durchaus üblich)

Praktika/Werkstudententätigkeiten im UX-, Produkt- oder Interaktionsdesign.

Aufbau eines Portfolios über reale Projekte (Studienprojekte, Non-Profit, Open Source, eigene Prototypen)

 

Quereinstieg

Kommt vor, aber fast nie ohne Portfolio und nachweisbare Skills.

 

Weiterbildungen

Können helfen – ersetzen aber selten Praxis und Arbeitsproben.

 

Ein Blick in echte Stellenausschreibungen zeigt: Oft werden Studienhintergründe wie Design/HCI/Informatik genannt oder „equivalent practical experience“, plus eigenes Portfolio.

 

 

5) Bezahlung

 

Hier muss man genau hinschauen: Der Titel „Mensch-Maschine-Interaktionsdesignerin/-designer“ ist am Markt häufig unter UX Designer, Interaction Designer, Product Designer o.ä. geführt, deshalb sind Gehaltsdaten meist unter diesen Sammelbegriffen zu finden.

 

Für Deutschland geben große Plattformen grobe Orientierungswerte: Stepstone nennt für UX Designer ein durchschnittliches Jahresgehalt um 44.500 €, mit typischen Spannen je nach Erfahrung.

Kununu berichtet für „User Experience Designer“ im Schnitt 52.500 € und eine breite Spanne (Einsteiger bis erfahren).

 

In der Beratung würde ich das so übersetzen: Einstieg solide, Entwicklung gut, besonders in Branchen mit komplexen Produkten (Automotive, MedTech, Industrie, B2B-Software) oder bei starker Spezialisierung (z.B. UX-Research, Accessibility, Safety-kritische Systeme).

 

 

6) Zukunftsaussichten

 

Die Aussichten sind ziemlich gut, aber nicht im Sinne von „alle werden automatisch gebraucht, alle werden automatisch eingestellt, alle verdienen großartig“. Warum?

 

Positiv:

  • Digitalisierung in fast allen Branchen (nicht nur Apps – auch Maschinen, Leitstände, Medizinprodukte, Energie)

  • Mehr Komplexität durch KI-Funktionen: Systeme können mehr, aber Menschen müssen sie weiterhin verstehen und kontrollieren

  • Professionalisierung der UX-Rollen (Jobtitel-Vielfalt, Spezialisierungen)

 

Kleine Unsicherheit:

Der Tech-Arbeitsmarkt schwankt konjunkturell. Offene Stellen können zeitweise zurückgehen. Das ändert aber wenig an der Richtung: Der Bedarf an digitalen Lösungen und IT-Dienstleistungen wird weiterhin hoch eingeschätzt, was UX/HCI-Kompetenzen strukturell stützt.

 

Tipp für Beratende:

Wer in dieses Feld will, sollte nicht nur „Design“ mögen, sondern (teils komplexe) Nutzerprobleme lösen wollen, und früh ein eigenes Portfolio, eigene Referenzen aufbauen. Das ist später am Markt oft entscheidend.

 

Mini-Check für Deine Beratungspraxis

 

Wenn Du bei Klientinnen und Klienten prüfst, ob das passt, helfen oft diese Fragen:

  • Haben sie Freude daran, Menschen zu beobachten und Muster zu erkennen?

  • Können sie komplexe Abläufe vereinfachen, ohne sie zu verfälschen?

  • Sind sie bereit, iterativ zu arbeiten (Version 1 ist selten die Endversion)?

  • Können sie Ergebnisse verständlich erklären, auch gegenüber Nicht-Designerinnen und Nicht-Designern?

Wenn drei- oder viermal ein „Ja“ kommt, kann es interessant werden.

 

 

Besser entscheiden mit bewährtem Testverfahren: Info für Beraterinnen und Berater

 

So unterstützt der KompetenzCheck next von IKOBE.de bei der Eignungsprüfung

 

Der KompetenzCheck next hilft, die Eignung für den Beruf der Mensch-Maschine-Interaktionsdesignerin bzw. des -designers differenziert und realistisch einzuschätzen, jenseits von bloßer Technik- oder Designbegeisterung.

 

Besonders relevante Kompetenzfelder:

  • Analytisches und strukturiertes Denken (Verstehen komplexer Abläufe)

  • Kommunikations- und Beobachtungskompetenz (Nutzer verstehen, Anforderungen übersetzen)

  • Reflexions- und Perspektivwechsel-Fähigkeit (nutzerzentriertes Denken)

  • Problemlöse- und Gestaltungsorientierung (Optimieren statt „schön machen“)

 

Typische passende Persönlichkeitsmerkmale:

  • hohe Lern- und Entwicklungsbereitschaft

  • Kooperationsorientierung und Teamfähigkeit

  • Frustrationstoleranz bei iterativen Prozessen

  • verantwortungsbewusster Umgang mit Technik

 

Beratungsrelevant: Weniger auf Einzelwerte achten, sondern auf kombinierte Profilbilder: Analyse plus Kommunikation, Technikinteresse plus Nutzerorientierung, Gestaltung plus Struktur. Der KompetenzCheck next zeigt, ob jemand tatsächlich die Voraussetzungen für Mensch-Maschine-Interaktionsdesign mitbringt und nicht nur den Wunsch danach.


Das Werkzeug der Wahl für diese Arbeit: KompetenzCheck next


Wer professionell coacht und berät, braucht ein Mess-Instrument an seiner Seite, das Persönlichkeit, Belastbarkeit, Talente, Bedürfnisse und Passung sichtbar macht. Unabhängig, objektiv, ganzheitlich, zeitgemäß.

Der IKOBE KompetenzCheck next liefert genau diese Grundlage, differenziert, realistisch und praxisnah: www.ikobe.de/kompetenzcheck-next

Mehr Informationen: www.ikobe.de/blog

Kontakt: Thomas von Krafft, tvk@ikobe.de 

0173 35 90 314. Ich freue mich!

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