Falsche Antworten auf gute Fragen, Teil 1: „Du wirst überall gebraucht!“
- Thomas von Krafft

- vor 8 Stunden
- 4 Min. Lesezeit

Neue Impulse für die professionelle Berufs- und Studienberatung
von Thomas von Krafft, Dipl.-Sozialpädagoge, Testentwickler, Talententdecker, Ausrüster für professionelle Beratung in einer komplexen Ausbildungs- und Berufswelt
„Was soll ich nach dem Schulabschluss tun?“
Diese Frage höre ich seit vielen Jahren immer wieder. Schülerinnen und Schüler stellen sie, manchmal zögerlich, manchmal direkt, oft mit einer Mischung aus Neugier und Unsicherheit.
Und, ehrlich gesagt: Es ist eine gute Frage.
Denn hinter dieser scheinbar einfachen Frage steckt sehr viel: Hoffnung. Erwartungsdruck. Manchmal auch Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.
Leider bekommt diese gute Frage in der Beratung erstaunlich oft eine Antwort, die zwar freundlich gemeint ist, aber nicht wirklich weiterhilft.
Eine der beliebtesten lautet:
„Ach, mach dir keine Sorgen. Es ist fast egal. Du wirst überall gebraucht!“
Das ist gur gemeint, klingt positiv, aufmunternd, motivierend.
Und doch ist es eine falsche Antwort auf eine gute Frage.
Warum diese Antwort verständlich ist
Bevor wir diese Aussage kritisieren, lohnt sich ein kurzer Blick auf ihre Entstehung.
Die meisten Beraterinnen und Berater wollen jungen Menschen Mut machen. Sie wollen Druck herausnehmen, Zuversicht vermitteln und signalisieren: Du lebst in einer günstigen Zeit für die Berufswahl, deine Zukunft ist gesichert, egal welchen Weg du einschlägst.
Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel scheint dieser Satz absolut plausibel zu sein. In vielen Branchen fehlen tatsächlich Auszubildende, Fachkräfte und Nachwuchs. Auszubildende werden gesucht und umworben.
Also warum nicht sagen: „Du wirst überall gebraucht“?
Weil das Problem ist: Der Satz beantwortet die eigentliche Frage überhaupt nicht.
Beruhigung ersetzt keine Orientierung
Wenn Jugendliche fragen: „Was soll ich nach der Schule tun?“, dann suchen sie in der Regel nicht nach einer allgemeinen Aussage über den Arbeitsmarkt. Sie suchen Orientierung.
Sie wollen wissen:
Welche Möglichkeiten passen zu mir?
Worin bin ich eigentlich gut?
Wo könnte ich mich langfristig wohlfühlen?
Wie treffe ich eine gute Entscheidung?
Der Satz „Du wirst überall gebraucht“ beantwortet keine dieser Fragen.
Er beruhigt vielleicht, aber er liefert keine Orientierung. Aber das wäre es genau, was junge Menschen in dieser Phase ihres Lebens dringend brauchen.
Wenn alles möglich ist, hilft das niemandem
Es gibt noch ein zweites Problem. Wenn wir Jugendlichen sagen, sie würden „überall gebraucht“, vermitteln wir indirekt eine Botschaft: Es spielt keine große Rolle, was du machst. Doch genau das stimmt nicht.
Berufliche Zufriedenheit entsteht selten dadurch, dass jemand irgendwo „gebraucht“ wird. Sie entsteht viel häufiger dort, wo Talente, Interessen und Arbeitsumfeld zusammenpassen. Ein junger Mensch, der gerne organisiert und strukturiert arbeitet, wird sich wahrscheinlich in einem anderen Umfeld wohlfühlen als jemand, der oder die kreativ gestaltet oder technisch tüftelt.
Wenn wir diese Unterschiede ignorieren, reduzieren wir Berufsberatung auf eine zu einfache Formel: Hauptsache irgendwo anfangen.
Das mag kurzfristig funktionieren. Langfristig führt es jedoch oft zu Unzufriedenheit, Ausbildungsabbrüchen oder späteren Umwegen.
Die eigentliche Frage hinter der Frage
Die Frage „Was soll ich nach der Schule tun?“ ist in Wirklichkeit selten die entscheidende Frage.
Die eigentliche Frage lautet eher:
„Was passt zu mir?“
„Wo liegen meine Stärken?“
„Welche Tätigkeiten könnten mir dauerhaft Freude machen?“
Diese Fragen lassen sich nicht mit einem schnellen Satz beantworten.
Sie verlangen Zeit, Nachdenken und Struktur. Hier beginnt die eigentliche Aufgabe professioneller Beratung.
Gute Beratung stellt bessere Fragen
Statt schnelle Antworten zu liefern, kann es hilfreicher sein, zunächst gemeinsam genauer hinzuschauen.
Zum Beispiel mit Fragen wie:
„Was fällt dir in der Schule besonders leicht?“
„Wann vergisst du die Zeit, weil dir etwas Spaß macht?“
„Worauf bist du stolz?“
„Welche Aufgaben übernehmen andere gerne dir überlassen?“
Solche Fragen lenken den Blick auf etwas Entscheidendes: die individuellen Ressourcen eines Menschen. Erst wenn diese sichtbar werden, lässt sich sinnvoll über berufliche Möglichkeiten sprechen.
Struktur hilft bei der Orientierung
In der Praxis hat sich ein einfacher Dreischritt bewährt:
1. Stärken erkennen (Kompetenzen und Talente testen)Was kann die Person wirklich gut?
2. Interessen verstehen (systematisch erfassen)Welche Tätigkeiten machen ihr Freude?
3. Arbeitswelt übersetzen (Matching)Welche Berufe verbinden beides?
Dieser Prozess lässt sich durch Gespräche unterstützen, und oft auch durch strukturierte diagnostische Verfahren, die Interessen, Kompetenzen und Potenziale sichtbar machen.
Sie ersetzen keine Beratung, sind aber eine perfekte Ergänzung. Sie können helfen, blinde Flecken zu vermeiden und Gespräche zu vertiefen.
Gute Fragen verdienen bessere Antworten
Jugendliche stellen erstaunlich kluge Fragen über ihre Zukunft. Manchmal sind sie nur sehr kurz formuliert. „Was soll ich nach der Schule tun?“ ist eine davon.
Unsere Aufgabe als Beraterinnen und Berater ist es nicht, diese Frage schnell zu beruhigen.
Unsere Aufgabe ist es, sie ernst zu nehmen.
Denn junge Menschen suchen nicht einfach irgendeinen Platz auf dem Arbeitsmarkt. Sie suchen einen Weg, der zu ihnen passt. Und genau dabei sollten wir sie unterstützen.
KompetenzCheck next: So werden Stärken sichtbar
Genau an dieser Stelle zeigt sich der Nutzen fundierter diagnostischer Verfahren. Instrumente wie der KompetenzCheck next wurden entwickelt, um persönliche Stärken, Interessen und Arbeitspräferenzen systematisch sichtbar zu machen. Viele junge Menschen können ihre eigenen Fähigkeiten, Talente und Potenziale noch gar nicht präzise benennen, schlicht, weil ihnen Vergleichsmaßstäbe und Erfahrung fehlen. Ein strukturiertes Testverfahren schafft hier eine wertvolle Grundlage: Es liefert objektive, unabhängige, nachhaltige Hinweise auf Kompetenzbereiche, Tätigkeitsneigungen und Potenziale und eröffnet damit ein deutlich klareres Gesprächsfeld für die weitere Beratung. Die essentiellen Fragen „Wer bin ich? Was kann ich? Was soll ich werden?“ werden mit dem Testverfahren systematisch erfasst und beantwortet. Damit bekommen Beraterinnen und Berater eine perfekte Grundlage und belastbaren Content für ihre persönliche Beratung.

Wenn du deine Klientinnen und Klienten auf diesem Weg professionell unterstützen möchtest, dann lerne den IKOBE KompetenzCheck next jetzt kennen, das umfassende Tool für deinen Beratungscontent, das hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Mehr Impulse und Werkzeuge: www.ikobe.de und www.ikobe.de/blog
Kontakt: tvk@ikobe.de | 0049 173 35 90 314





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